Über die Notwendigkeit, die katholische Glaubenslehre wirklich kennenzulernen
„Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, den allein wahren Gott, erkennen, und den du gesandt hast, Jesum Christum.“
(Johannes 17,3)
Wie gut kennen wir eigentlich den Glauben, den wir bekennen? Wie wollen wir Gott immer mehr lieben, wenn wir uns kaum darum bemühen, ihn und seine Lehre besser kennenzulernen?
Getauft zu sein, katholisch aufgewachsen zu sein und die grundlegenden Gebete zu kennen, bedeutet noch nicht, daß man seinen Glauben auch wirklich kennt.
Könnten wir erklären, was die Kirche lehrt und warum sie es lehrt? Wissen wir über die Wahrheiten unseres Glaubens ausreichend Bescheid, um sie nicht nur selbst zu verstehen, sondern auch unseren Kindern weiterzugeben oder gegenüber anderen zu verteidigen?
Die Kenntnis des Glaubens ist keine bloße Angelegenheit der Gelehrten oder der Geistlichen. Sie betrifft jeden Katholiken. Denn unser Glaube soll nicht nur eine überlieferte Gewohnheit sein, sondern die Grundlage unseres ganzen Lebens.
Der katholische Priester Franz Spirago widmet sich in seinem Katholischen Volkskatechismus ausführlich der Bedeutung der Gotteserkenntnis. Er zeigt, wie eng die Kenntnis Gottes mit der christlichen Lebensführung verbunden ist.
Aus dem Katholischen Volkskatechismus von Franz Spirago
Erster Teil des Katechismus: Der Glaube.
1) Die Erkenntnis Gottes.
Die Erkenntnis Gottes ist die Erkenntnis der Eigenschaften und Vollkommenheit Gottes, der göttlichen Werke, des göttlichen Willens, der von Gott eingesetzten Gnadenmittel u. s. w.
„Wachset stets in der Erkenntnis Gottes.“ (Kol. 1, 10).
Jetzt erkennen wir Gott nur rätselhaft, wie in einem undeutlichen Spiegel; erst nach dem Tode werden wir Gott deutlich erkennen. (1. Kor. 13, 12)
II) Ohne Erkenntnis Gottes gibt es keine wahre Zufriedenheit und kein rechtschaffenes Leben.
Die Erkenntnis Gottes ist die Speise unserer Seele. Fehlt diese Speise, so wird die Seele von Hunger geplagt, d. h. der Mensch ist unzufrieden.
„Wenn der innere Friede fehlt, so können alle Güter dieses Lebens, wie Reichtum, Gesundheit u. dgl., uns nie wahrhaft angenehm sein.“ (h. Gr. Nss.)
Es ist so wie im Kriege; da hat man wenig von seinen Gütern, weil man sie nicht genießen kann.
Der Mensch, der Gott nicht erkennt, gleicht einem Blinden; sowie dieser keinen sicheren Schritt hat, leicht hinfällt, sich anstößt, sich sehr unglücklich fühlt und wenig Lust am Leben hat, so geht es auch jenem; denn er kennt sein Ziel nicht und fällt von einer Sünde in die andere, hat keinen Trost im Unglück und keine Hoffnung im Tode. Man beachte die vielen Selbstmorde, die religionslose Menschen ausführen, weil sie sich in der Not keine Hilfe wissen. Wer keine Gotteserkenntnis besitzt, ist ein Unwissender, wenn er auch der gelehrteste Mann wäre.
„Unglücklich der Mensch, der alles kennt, dich aber, o Gott, nicht erkennt.“ (h. Aug.)
Ohne Erkenntnis Gottes gibt es kein rechtschaffenes Leben. Was man nicht kennt, kann man weder begehren noch lieben. (Ignoti nulla cupido.) Wie kann jemand, der Gott nicht kennt, ihn lieben und seine Gebote halten? Die Unkenntnis über die Gottheit ist die Ursache der meisten Sünden. Warum schwören die Menschen leichtsinnig oder falsch, warum streben sie leidenschaftlich nach Geld, Ehre und sinnlichen Genüssen und übertreten ungescheut die göttlichen Gebote? Deshalb, weil sie Gott nicht erkennen.
Warum wurde Kaiser Josef II. († 1790), der oft verkleidet unter das Volk ging, von manchen Beamten so grob behandelt? Deswegen, weil sie ihn nicht erkannten. Hätten sie ihn wohl auch so behandelt, wenn sie ihn erkannt hätten? Ähnlich verhält es sich mit Gott.
Darum ruft der Prophet Oseas aus:
„Keine Erkenntnis Gottes ist im Lande; daher hat Fluchen, Lügen, Morden, Stehlen überhand genommen.“ (Os. 4, 2)
Und der h. Paulus beteuert, daß die Juden Christum, den Herrn der Herrlichkeit, nie würden gekreuzigt haben, wenn sie ihn erkannt hätten. (1. Kor. 2, 8) O Gott, du Wonne meiner Seele, kennten dich die Menschen, so würden sie dich nicht beleidigen! (h. Ig. L.)
Es zeigt insbesondere die Erfahrung, daß in den Strafanstalten der größte Teil der Verbrecher Leute sind, die von Gott nichts wissen. Als König Friedrich II. von Preußen erkannte, daß die mangelnde Gotteserkenntnis der Grund der zunehmenden Verbrechen ist, rief er seinem Minister zu: „Schaff er mir Religion ins Land.“ Die Weltgeschichte zeigt, daß bei den Völkern die religionslosen Zeiten auch die sittenlosesten waren.
Quelle: Franz Spirago, Katholischer Volkskatechismus, 10. Auflage von 1927, Erster Teil: Der Glaube – Die Erkenntnis Gottes.
Der Katholische Volkskatechismus ist wieder erhältlich
Der Katholische Volkskatechismus von Franz Spirago ist im Verlag Lilien des Feldes als textgetreuer Nachdruck der 10. Auflage von 1927 neu erschienen.
Das Werk wurde vollständig in gut lesbarer Schrift neu gesetzt. Der ursprüngliche Inhalt und Aufbau sind erhalten geblieben, ohne Kürzungen, inhaltliche Modernisierungen oder Anpassungen an den Zeitgeist.
Mit seinen ausführlichen Erklärungen, anschaulichen Beispielen und zahlreichen Zeugnissen aus der Heiligen Schrift und den Kirchenvätern bietet der Volkskatechismus eine wertvolle Hilfe, um die katholische Glaubenslehre gründlich kennenzulernen und zu vertiefen.