Gotteserkenntnis

Gott will dem Menschen nicht fern bleiben, sondern Sich ihm in Christus liebend nahen. Wer Ihn recht erkennt, lernt zugleich, die Geschöpfe in ihrer Ordnung zu sehen und in Ihm allein jene Fülle zu suchen, nach der die Seele verlangt.

Drei Übelstände sehen wir in der Vergangenheit wie auch in der Gegenwart:

  1. Die Geschöpfe vergessen Gott.
  2. Die Geschöpfe missverstehen Gott.
  3. Die Geschöpfe, die Gott nicht finden, wenden sich anderen Geschöpfen zu und machen sie zu Götzen.

Gott will Sich zu erkennen geben

Nun aber ist Gott nicht nur höchst liebenswert, sondern auch höchst liebevoll. Und Sein einziger Wunsch ist es, dass Seine Geschöpfe sich bei Ihm geborgen fühlen wie Kinder bei ihrem Vater. Und Er wollte Sich selbst dadurch zu erkennen geben, dass Er Mensch wurde.

Solange Er nur Gott war, schien Er durch einen unüberschreitbaren Abgrund von uns getrennt. Es ist wahr, wir können diese Schwierigkeit überwinden, solange wir tun, was Gott von uns will. Doch Er ist außer Sicht, und es ist so leicht, Ihn zu vergessen. Es gab nur einen einzigen Weg, nämlich jene Natur anzunehmen, die wir verstehen, weil sie unsere eigene ist.

Gott als unser Gefährte

Durch alle Stadien des Lebens wollte Er hindurchgehen, beginnend als ein kleines Kind wie wir alle. Und dies wäre die befriedigendste Antwort auf all unsere Schwierigkeiten. Er wollte ein Gott sein, der uns Gefährte werden konnte. Wie setzte Er es in die Tat um, dieses wundervollste Werk Seiner Hände?

  1. Er wollte aus einer ganz makellosen Jungfrau geboren werden.
  2. Doch welchen Stand wollte Er wählen? Er war der Schöpfer, der König. Gewiss wollte Er in einem von Engeln gebauten Palast zur Welt kommen? Und wenn dies ein allzu verblüffendes Wunder wäre, könnte Er ja einen der herrlichen Paläste des Herodes wählen.

Doch Er wollte Seine Geschöpfe nicht in Furcht und Schrecken versetzen. Zugänglich wollte Er sein. Deshalb wurde Er an einem Ort geboren, wo alle zu Ihm kommen konnten, auf ein bisschen Stroh gebettet. Zwar sangen die Engel die frohe Botschaft. Das war jedoch nur notwendig, damit die Verheißungen erfüllt würden und zutage träte, dass die Zeit der Erlösung da war.

  1. Und welches waren die Umstände Seines Erscheinens? Sie zeigten allesamt, dass Er die Menschen durch Seine Armut, Einfachheit und Schwachheit an Sich ziehen wollte.

Die rechte Auffassung von Gott

Sein Wille ist es, dass wir Ihn leicht erkennen können. Und gerade dadurch sollte der Gedanke an Ihn uns beglücken. Wenn die Kälte der Welt uns kränkt, lasst uns zum Feuer der göttlichen Liebe gehen, zu Gott, der nie enttäuscht, der immer liebevoll, immer anziehend, immer erhebend, immer tröstend ist!

Wenn wir irgendwie anders von Ihm denken, können wir sicher sein, dass wir eine falsche Auffassung haben. Und wenn Gott mir Vater und Mutter ist, kann die ganze Welt mich verstoßen. Was hat dies zu bedeuten, wenn mein Schöpfer mich zum Freund haben will?

Meine Freunde bekommen mich satt. Ich weiß das, weil ich sie selbst satt bekomme. Doch was hat dies zu bedeuten, solange ich nicht an Seiner Sanftmut und Güte zweifle und weiß, dass Er mich liebt und auf mein armseliges, bescheidenes Dienen gütig herabschaut?

Die Hinwendung zu den Geschöpfen

So viel zum Missverstehen und Vergessen Gottes! Und nun über die Hinwendung zu den Geschöpfen!

Die Schöpfung ist Gottes Werk. Und was immer Sein Siegel trägt, ist voller Schönheit. Die Welt, die uns umgibt, ist überaus schön, noch schöner jedoch sind die Menschen in ihr. Wir wissen, welche Macht sie auf unser Herz ausüben.

In alten Zeiten – und tatsächlich auch in unseren Tagen – verloren und verlieren Menschen ihren Verstand aus Liebe zu Besitz, Macht und Sinnenlust. Wie konnte Gott dem abhelfen? Indem Er das Gegenteil von dem, was die Welt zu ihrem Götzen machte, auf Sich nahm: statt dem Reichtum die Armut, statt der Macht die Demut, statt dem Luxus den Verzicht auf alle Bequemlichkeit.

Die Lehre Christi ist Er selbst

Bücher sind trockene Dinge. Am leichtesten lernen wir durch persönliche Unterweisung. Die Lehre Christi ist Er selbst. Das ist der Sinn von Weihnachten: es soll uns zeigen, dass wir in demselben Maß, in dem wir Ihn nachahmen, glücklich werden.

Alles wahre Leben besteht in der Teilnahme am Leben des Herrn. Er ist Fleisch von unserem Fleisch und Bein von unserem Bein. Und wir alle sollten innewerden, dass Er unser Leben ist. Denn Er hat uns ein Herz gegeben. Das ist so auserlesen, dass es nur im Vollbesitz Jesu glücklich sein kann.

Emanuel – Gott mit uns

Emanuel – Gott mit uns. Gott will in hohem Maße mit mir sein. Bitte Ihn, dass Er dich Seine Liebe lehre, Seine Ansicht über die Dinge! Denn das ist die einzig wahre Ansicht für mich.

Lasst mich Seine Gesellschaft suchen! Denn Er allein vermag alle Bitterkeit in Süße, alle Sorge in Glück zu verwandeln. Er ist der einzige, der mich zufriedenstellen kann.

Quelle: Gott lieben – P. Daniel Considine S. J. – 1955

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