Hl. Joseph – Schutzpatron der hl. Kirche

Das Schutzfest des heiligen Joseph weist auf seine von Gott verliehene Würde, seine treue Sorge um Christus und seine mächtige Fürbitte für die bedrängte Kirche, die unter seinem Schutz in göttlicher Ordnung und Hoffnung geborgen ist.

Bereits unter Papst Benedikt XIV. wurde dieses Fest an verschiedenen Orten gefeiert; aber erst Papst Pius IX. dehnte es am 10. September 1847 auf die ganze katholische Kirche aus, befahl es am 3. Sonntag nach Ostern zu feiern und erwählte am 8. Dezember 1870 den heiligen Joseph zum Patron der ganzen katholischen Kirche. Wie es im päpstlichen Dekret heißt, geschah dies

  1. wegen der hohen Würde dieses Heiligen;
  2. wegen seiner Macht bei Gott;
  3. wegen der vielen Leiden und Verfolgungen der Kirche in unseren Tagen, welche eines ganz besonderen Schutzes bedarf, den sie durch die Würde und Macht des heiligen Joseph zu erlangen hofft;
  4. weil die Bischöfe des ganzen Erdkreises den Papst gebeten haben, dass er den heiligen Joseph zum Schutzpatron der Kirche wähle.

Papst Pius X. verlegte dieses Fest im Jahr 1913 für die Zukunft auf den Mittwoch nach dem 2. Sonntag nach Ostern.


Von wem wurde Jesus für einen Sohn Josephs gehalten?

Der heilige Augustinus schreibt:

Obwohl der heilige Joseph nur bei jenen als Vater Christi galt, welche Christi Gottheit und seine wunderbare Empfängnis nicht kannten, so hat er den Namen „Vater Christi“ nicht nur von diesen, sondern auch von Evangelisten und sogar von der seligsten Jungfrau selbst empfangen. Denn Maria sagt (bei Lukas): „Dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht.“

Und der Evangelist sagt:

„Und sein Vater und seine Mutter waren verwundert über das, was gesagt wurde.“ (Luk. 3,21)


Warum aber wird er „Vater Christi“ genannt, da doch Christus nicht von ihm abstammte?

Er wird Christi Vater genannt

  1. weil er der rechtmäßige Gemahl Mariens war, aus welcher Christus geboren wurde;
  2. weil vermöge der ehelichen Liebe zwischen ihm und Maria Gütergemeinschaft bestand, folglich das Kind Mariens auch dem heiligen Joseph zugehörte;
  3. weil er von Gott dem Vater als Gemahl Mariens mit väterlichem Ansehen für Christus ausgestattet wurde;
  4. weil er gegen Christus ein wahres Vaterherz zeigte, die Liebe und Sorgfalt eines Vaters hegte.

Unterricht über das Vertrauen auf die mächtige Fürbitte des heiligen Joseph

Der heilige Alfons von Liguori schreibt:

„Je größer die Heiligkeit eines Menschen ist und je höher er darum in Liebe Gottes steht, umso größerem Vertrauen wenden wir uns an denselben und sind seiner Fürsprache und seines Schutzes umso gewisser. Darum haben sich auch die rechtgläubigen Christen jederzeit vertrauensvoll mit ihren Bitten an den heiligen Joseph gewandt. Sie dachten mit Recht: Wem Gott ein so erhabenes Amt und eine solche Würde verliehen hat, der hat gewiss einen sehr hohen Grad von Heiligkeit erlangt. Ist aber Joseph von solcher Heiligkeit und so reichen Verdiensten gewesen, dann muss auch seine Herrlichkeit im Himmel überaus groß sein; denn dort wird jedem vergolten nach seinen Verdiensten. Wir dürfen also ein solches Vertrauen auf die Macht der Fürbitte des heiligen Joseph setzen, dass wir fest überzeugt sind: Gott werde diesem heiligen Nährvater nicht versagen, was immer er für seine Schutzbefohlenen erfleht.“

Der heilige Bernardin von Siena schreibt:

„Man darf sicherlich glauben, es werde Jesus jene Vertraulichkeit und Willfährigkeit, die er schon hier auf Erden dem heiligen Joseph erwiesen, im Himmel nicht verweigern, sondern vielmehr vergrößern. Da er auf Erden dem heiligen Joseph gehorsam war, wird er demselben im Himmel gewiß keine Bitte versagen. Wenn ein Vater seinen Sohn um etwas bittet, so gilt diese Bitte ja gleichsam als ein Befehl.“

Der heilige Thomas von Aquin erklärt:

„Dem heiligen Joseph ist es verliehen, in jeder rechtlichen Angelegenheit und in jeder Drangsal uns beizustehen und alle, die seine Fürbitte anrufen, zu beschirmen; er ist ein allgemeiner Helfer! An ihn sollen die Priester sich wenden, damit sie sich immer größerer Erhebung und Reinheit dem Gottmenschen nähern; ihn sollen die Eheleute zum Beschützer erwählen, um in Eintracht und Treue zu wandeln; ihn sollen die Jünglinge und Jungfrauen anrufen, um sich in keuscher Sittlichkeit zu bewahren; ihn sollen anflehen die Herrschaften, um ihren Untergebenen weise vorzustehen, und die Dienenden, um gehorchen zu lernen; zu ihm sollen ihre Zuflucht nehmen die Bedürftigen, um in Ergebung ihr Los zu tragen, vor allem aber sollen sie seiner mächtigen Fürbitte anempfehlen die Kranken und Sterbenden, um in Frieden Jesu hinzugehen.“

Die heilige Theresia von Avila endlich bekennt:

„Ich erinnere mich nicht, dass ich den heiligen Joseph je um etwas gebeten habe, das er mir nicht erhört hätte. Das nämlich haben auch einige Personen erfahren, denen ich geraten habe, sich ihm anzuempfehlen.“

Sollen dich diese Worte so großer Heiligen nicht ermuntern, den heiligen Joseph täglich zu verehren und ihn zum Patron für deine leiblichen und geistigen Anliegen, besonders aber für deine Sterbestunde anzurufen? — Um dich aber seiner Fürbitte zu versichern, so bemühe dich vor allem, nach seinem Beispiel „gerecht“, das heißt in allem Gott gefällig zu leben.

Ablassgebet und Weihe an den heiligen Joseph
als Patron der Kirche

O glorreicher heiliger Joseph, von Gott auserkoren zum Nährvater Jesu Christi, zum reinsten Gemahl der allezeit unversehrten Jungfrau Maria und zum Haupt der heiligen Familie, der deshalb auch vom Statthalter Jesu Christi zum himmlischen Patron und Beschützer der von Jesus gestifteten Kirche erwählt worden bist: Mit dem größten Vertrauen flehe ich zu dieser Stunde um deine mächtige Hilfe für die ganze streitende Kirche. Beschütze in besonderer Weise mit deiner wahrhaft väterlichen Liebe unseren heiligen Vater, den Papst, und alle Bischöfe und Priester, die mit dem Heiligen Stuhl vereint sind. Sei der Verteidiger all derer, die am Heil der Seelen arbeiten inmitten der Bedrängnisse und Trübsale dieses Lebens, und führe alle Völker der Erde zur gehorsamen Unterwerfung unter die Kirche, die ja für alle das notwendige Mittel zur Erlangung des ewigen Heils ist.

Würdige mich daher, o teuerster heiliger Joseph, die Weihe anzunehmen, mit der ich mich selbst darbringe. Ich weihe mich dir ganz, damit du beständig mein Vater, mein Beschützer und Führer sein mögest auf dem Weg des Heils. Erlange mir eine große Reinheit des Herzens und eine eifrige Liebe zum inneren Leben. Bewirke, dass nach deinem Beispiel all meine Handlungen auf die größere Ehre Gottes hinzielen, in Vereinigung mit dem göttlichen Herzen Jesu, mit dem unbefleckten Herzen Mariä und mit dir. Endlich bitte für mich, dass ich teilnehmen könne an dem Frieden und der Freude, die du bei deinem heiligen Tod verkostet hast. Amen.

(300 Tage Ablass einmal täglich, Leo XIII., 18. Juli 1885)

Quelle: Goffine – Hausbuch für ein christliches Leben – Leonhard Goffine, 1923

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