Wir sind hie und da in Gefahr, im geistigen Leben einer Art Jansenismus zu verfallen: Wir glauben, nur dann mit uns zufrieden sein zu dürfen, wenn wir unglücklich sind.
Das Leid nicht eigens suchen
Gewiss ist viel Leid in der Welt. Aber ist es nicht traurig, zu sehen, wie die Menschen oft alle Winkel erspähen, um es zu entdecken? Es ist durchaus falsch, jeden kleinen Zufall, jedes Missgeschick – und wäre es nur eine versalzene Suppe – als eine Fügung der Vorsehung zu deuten, zum Besten deiner Seele!
Die Milde der göttlichen Führung
Gott hat zwar einige mystische Heilige durch besondere Prüfungen heimgesucht. Doch in der Regel sind seine Führungen von wunderbarer Milde für die Seelen, die ihm treu dienen wollen.
Bilde dir nicht ein, dass jeder Zufall zu deiner Qual ersonnen sei. Die Auffassung, dass wir Gott nicht wohlgefällig sein könnten, ohne stetsfort zu leiden, ist falsch. Gewöhnlich ist das äußere Leben eines Heiligen so ziemlich wie das Leben eines beliebigen andern Menschen.
Der rechte Wert des Leidens
Freilich gibt es unvermeidliche Widrigkeiten; denn ein gutes Leben ist ein Vorwurf für die Bösen, und das schafft Widersacher. Mit dem Guten ist auch der Böse am Werk. Aber lasst uns doch nicht denken, Leiden sei schon an und für sich ein Wert, eine Tugend.
Sei also kein Kopfhänger! Das Leiden ist nicht ursprünglicher Gotteswille. Gott kann vieles zulassen, was er nicht eigentlich will.
Das Leid anderer lindern
Nie aber darf uns das Leid anderer gleichgültig sein, sondern wir sollen es möglichst zu lindern suchen.
Quelle: Freuet euch – Daniel Considine S. J. – 1931