Jagdhund oder Pudel?

Vom Vorrang tätiger Gottesliebe vor bloßer Fehlerlosigkeit: Im Ringen und Dienen, selbst unter Schwachheit, reift die Seele. Trägheit und Unterlassung mindern die Gnade; treue Hingabe erfüllt die von Gott geschenkte Berufung.

Was tust du für Gott?

Man erforscht des Abends sein Gewissen, um zu sehen, ob man Gott beleidigt habe. Aber hast du ihn geliebt? Ihm gedient? Dich selbst überwunden? Deinem Nächsten geholfen?

„O nein, aber ich habe Zerstreuungen vermieden, indem ich möglichst kurze Gebete verrichtete!“

Hast du etwas unternommen, um deinem Nächsten zu helfen?

„Nein, ich fürchtete, dass es mich ablenken könnte und eine nächste Gelegenheit würde, Fehler zu begehen!“

Mein Lieber, es ist besser, Gutes zu tun und sich dabei Fehler zuschulden kommen zu lassen, als das Gute zu unterlassen und dabei weniger Fehler zu begehen.

Die heilige Mechthild dankte Gott, dass er sie vor den Versuchungen bewahrte, denen die armen Prediger ausgesetzt waren. Unser Herr antwortete der Heiligen (die in der Welt einer vornehmen Familie angehörte):

„Meine Tochter, du wirst bemerkt haben, wie die Hunde deines Vaters mit Schaum und Schmutz bedeckt von der Jagd heimkamen und dass deine Mutter sie nie im Empfangszimmer duldete. Die Pudel dagegen durften dort sein.
Welches waren die wertvolleren Hunde und welche hat der Hausherr mehr geschätzt?

Die sich selbst aufgeben im Dienste Gottes, mögen sich wohl einige Flecken zuziehen, sogar Schmutz- und Blutflecken; doch sie sind wertvoller als solche, die gepflegt und sauber zu Hause sitzen und nichts tun.

„Wie können wir es vermeiden, dass wir Schuld um Schuld anhäufen durch unsere lässlichen Sünden?“

Ein Mensch, der sich bemüht, für Gott zu arbeiten, wird viel kleinere Schuld haben als diejenigen, die ein inhaltsloses, mattherziges Leben führen. Und die Unterlassungssünden? Wie willst du dich rechtfertigen, wenn dir erstmals die Augen aufgehen über das Gute, das du in der Welt hättest tun können – und nicht getan hast?

Ein jeder hat seinen eigenen Platz in der Welt und wirkt auf andere, von denen er auch empfängt. Wir sind alle Glieder einer großen Familie. Unterlassungssünde ist es, die Aufgabe nicht zu erfüllen, die Gott uns zugewiesen hat.

Denke an den Knecht im Evangelium, der sein einziges Talent begraben hatte. Und du sagst, du hättest nichts zu tun in der Welt? Merkwürdig, wenn Gott dich dahin gestellt hätte, um nichts zu tun!

Du brauchst nicht noch einen religiösen Orden zu stiften. Es gibt immer etwas zu tun. Du bist nicht umsonst in der Welt – und wäre es nur, um dein Heim glücklich zu gestalten und die Prüfungen zu tragen, die Gott dir schickt. Das heißt nicht nur, das Böse vermeiden – das heißt: Gutes tun.

Wachse ich zur Gestalt, in der Gott mich haben will? Das ist eine höchst persönliche Frage, die wir uns alle stellen müssen. Warum habe ich nicht besseren Einfluss ausgeübt? Bleibe ich nicht zurück hinter Gottes Absichten, als er mich schuf?

Lässliche Sünde macht die Seele schlaff. Rheumatismus und Gicht töten nicht, aber sie machen das Leben äußerst beschwerlich. Die lässlichen Gewohnheitssünden, die wir nicht zu bessern suchen, sind für die Seele, was Rheumatismus und Gicht für den Körper: Sie zehren an der Lebenskraft.

Ich meine damit ausgesprochene Gewohnheiten lässlicher Sünden. Unser geistiges Leben fließt träge dahin, und es wird uns schwer, vorwärts zu kommen und Fortschritte zu machen.

Wenn du Zahnweh hast oder Ohrenweh, dann wirst du ärgerlich und verdrossen – nicht der Menschen, sondern der Schmerzen wegen. In der lässlichen Sünde bist du verdrossen, nicht aufgelegt, willst dieses fromme Geschwätz nicht lesen und diese frommen Leute sind dir lästig.

Diese langen Gebete und Betrachtungen erscheinen unmöglich. Entscheidungen der Kirche oder des Heiligen Vaters verdrießen uns. Alles ist falsch, weil unser geistiges Blut ungesund ist. In der lässlichen Sünde sieht man alles entstellt.

Der Gedanke an Gott macht dich nicht glücklich. Um die Wahrheit zu sagen: Du bist nicht in der richtigen Verfassung, um aus den Dingen Gutes zu ziehen.

Quelle: Freuet euch! – P. Daniel Considine S. J., 1931

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