Die Herzensreinheit

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Die Reinheit, die bei den Heiden fast ganz unbekannt war, die bei den Juden nur wenig gekannt und noch weniger geübt wurde, ist die schönste Blüte des Christentums. Sie wird nicht nur
von Gott, sondern auch von allen Menschen, selbst von den Bösen, geliebt und geschätzt, weil sie durch ihre Natur schon Bewunderung und Hochachtung einflößt. Da sie mehr himmlisch als irdisch ist, so nennt sie der Verfasser der Nachfolge Christi „die englische Tugend„, und er sagt, Reinheit und Einfalt seien die Flügel, auf denen sich die Seele zu Gott emporschwinge.

Die Seele, nach Gottes Ebenbild erschaffen, ist ein Spiegel, in dem die Gottheit widerstrahlt.
Je reiner daher das Herz ist, desto vollkommener ist diese Abspiegelung. Ich spreche hier nicht bloß von der Keuschheit, sondern von einem höheren Grade der Reinheit, nämlich von
jener Reinheit des Herzens, die darin besteht, dass man sich von jeder, auch bloß
innerlichen Sünde und von jeder unordentlichen Anhänglichkeit an ein Geschöpf freihält.
Die Sünde, von Christus selbst Dunkelheit und Finsternis genannt, ist wie ein dichter Körper,
der sich zwischen Gott und die Seele stellt. Die Anhänglichkeit an die Geschöpfe ist zwar kein solches unmittelbares Hindernis; sie ist aber doch eine Unvollkommenheit, die auf den Spiegel
der Seele wie Hauch oder Nebel liegt und seine Klarheit trübt. In der sechsten der acht Seligkeiten sagt der Heiland: „Selig, die reinen Herzens sind denn sie werden Gott anschauen!
Sie werden Gott anschauen, gerade weil die Reinheit der Seele unmittelbar zu Gott in Beziehung setzt, da sie das Hindernis der Sünde wegräumt und nicht duldet, dass das Auge der Seele durch
die Anhänglichkeit an die Geschöpfe geschwächt und verschleiert werde.
Reinheit ist also Erkenntnis und Liebe; denn wer könnte Gott kennen und ihn nicht lieben? Da unser Leib der Tempel Gottes ist und unsere Seele wie ein Tabernakel, ist es da nicht gerecht, dass beide von Reinheit und Heiligkeit strahlen? Da sowohl der Leib wie die Seele für den Himmel bestimmt sind, sollen sie nicht auch beide an der Übung der Tugend teilnehmen?

„Wie schön und herrlich ist ein keusches Geschlecht,“ sagt die Heilige Schrift, „unsterblich ist
sein Andenken!“ „Die Jungfrauen folgen dem Lamme, wohin es immer geht, und singen
einen Lobgesang, den sonst niemand singen kann. Sie lieben das Lamm, und das Lamm liebt sie, denn es weidet unter den Lilien. „

Je schöner und strahlender aber diese Tugend ist, desto zarter und empfindlicher ist sie wegen ihrer Feinheit und Helle; das Allergeringste trübt ihren Glanz. Es ist mit ihr wie mit einem Kleide aus ganz feinem und hellem Stoffe: das kleinste Fleckchen, der feinste Staub, ein Regentropfen raubt ihm seine erste Schönheit. Verwende also die größte Sorgfalt darauf, liebes Kind,
diese himmlische Tugend makellos in dir zu bewahren. Lass nichts in deinem Betragen
jene höchste Achtung, die du dir selbst schuldig bist, verletzen. Dein Auge, das bestimmt ist,
die Heiligkeit Gottes zu schauen, ruhe nie auf Dingen, die die Reinheit deines Herzens
trüben könnten. Dein Ohr sei rücksichtslos jedem unpassenden Worte verschlossen, und
deine Zunge, die so oft der Thron der göttlichen Majestät geworden ist, spreche nie
ein zweideutiges Wort aus. Alles in deinem Äußeren, in deiner Haltung und Kleidung
sei Gottes würdig und der Tugend, die in deinem Herzen verborgen ist.

In Bezug auf die Kleidung möchte ich dir einiges sagen. Deine Kleidung soll sittsam, bescheiden und einfach, ordentlich und reinlich sein; ferner soll sie deinem Stande und Alter,
der Zeit, der Gelegenheit und Gesellschaft angemessen sein. Vor allem muss sie sittsam und bescheiden sein; denn ihr vorzüglicher Zweck ist, den Leib zu bedecken;
die Schamhaftigkeit hat sie einst erfunden und fordert sie gebieterisch. Eine unbescheidene Kleidung verrät eine schamlose Seele. Und doch, wie viele christliche Jungfrauen und Frauen
gibt es, besonders in den vornehmen Kreisen, die auf Bällen und in anderen Gesellschaften in einer
so ungehörigen Kleidung erscheinen, dass sie für viele ein Gegenstand des Ärgernisses werden und das ein reines Auge bei ihrem Anblick sich niedersenkt und sich schließen muss.
Möchtest du, mein Kind, je zu diesen gehören ? O, nie! ich bitte dich inständig! Nie!
Dein Anblick sei stets für jede fromme Seele Trost und Erbauung, für den Bösen
aber Vorwurf und Beschämung. Nicht umsonst möge ich deine Seele wie auf den Händen
getragen und mit jeglicher Sorgfalt umgeben haben!

Als Entschuldigung für solche Kleidung hört man oft sagen, es sei nun einmal so Mode, und
da müsse man doch tun wie jedermann. Mode hin, Mode her! Eine solche Mode darf eine Christin unter keinem Vorwand nachahmen. Je höher man steht, desto mehr Einfluss hat man
auf seine Umgebung, und desto strafbarer ist das Böse
, desto verdienstlicher
das
gute Beispiel, das man gibt. Durch Einfachheit und Bescheidenheit erwirbt man sich immer die Achtung und Liebe ehrenhafter Menschen, und das ist die größte Zierde
der Schönheit und ein Schutz für die innere Reinheit (hl. Franz von Sales).

Deine Kleidung soll aber auch ordentlich und reinlich sein. Unordnung und Nachlässigkeit
im
Äußeren ist gewöhnlich ein Beweis der Unordnung im Inneren. Dazu legst du
eine gewisse Geringschätzung an den Tag gegen die, mit denen du verkehrst, wenn du in nachlässiger Kleidung vor ihnen erscheinst. Das Übrige, was ich von der Kleidung gesagt habe, verstehst du wohl recht gut. Eine reiche Person darf und soll sich nicht so einfach kleiden wie
eine arme. Es wäre lächerlich, wenn sich alte Leute tragen wollten wie die Jugend;
das Umgekehrte wäre ebenso, kommt aber wohl gar nicht oder selten vor; denn es gibt viele,
die immer recht jugendlich scheinen möchten. Wenn du auch nicht jede Mode nachahmen darfst, so sollst du dich doch im allgemeinen kleiden, wie es Brauch und Sitte ist,
da man alles Auffällige vermeiden soll.

Von einem kleinem Abwege komme ich auf die Tugend der Reinheit zurück. Bitte den lieben Gott recht oft, er möge dich den großen Wert dieser Tugend erkennen lassen, dir eine besondere Liebe dazu einflößen und sie selber in dir bewahren. Habe eine große Verehrung
für die liebe Gottesmutter, deren Herz nie von der geringsten Sünde getrübt worden ist.

Wache und bete und empfange vor allem das Brot der Starken.

Quelle: Gedanken und Ratschläge – Clara Britz – 28. Kapitel – Herzensreinheit S. 263 – 268

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