Der Sonntag in der Familie – Teil 2 von 3 – Wesen der Sonntagsfeier

  • Beitrags-Kategorie:Erziehung / Familie / Kinder
  • Lesedauer:7 min Lesezeit
image_print

Auf den Sonntag finden die Worte des Psalmisten die rechte Anwendung: „Das ist der Tag, den der Herr gemacht hat“ (Ps 117, 24); er ist ein Tag, der nach allen Seiten hin Segen verbreitet. Daraus ergibt sich
die heilsame Lehre von selbst. Die würdige Sonntagsfeier gehört zu den eigentlichen und innersten Angelegenheiten des christlichen Lebens, der christlichen Familie.
Sie umfasst zwei Stücke: die Sonntagsruhe und die Sonntagsheiligung.

1. Die Sonntagsruhe.

„Sechs Tage sollst du arbeiten, und alle deine Werke verrichten. Aber am siebenten Tag ist der Sabbat des Herrn; an diesem sollst du keine Arbeit verrichten“. Ex 20, 9. Es war für den Sabbat vollkommene Ruhe vorgeschrieben; und dies bezeichnet die Hl. Schrift sehr bedeutsam als ein „Ruhen für den Ewigen“. Lv 25, 2. Dieses Wort weist recht sinnig und schön auf den Hauptzweck der Sabbatruhe hin; es ist das Ablassen
von den weltlichen Geschäften, das Losschälen von den Geschöpfen, der Dienst Gottes, die Verherrlichung Gottes und die Hingebung an ihn. Dieses Gesetz Gottes über die Sabbatruhe hat das Christentum aus dem Alten Bund herübergenommen und auf den Sonntag verlegt.

Das Verbot der knechtlichen, d. h. der körperlichen Arbeit, mit andern Worten: Die Sonntagsruhe ist die eine Seite der Sonntagsfeier. „Von unsern heiligen Vätern ist es eingeführt und den Christen aufgetragen worden, am Sonntag von den zeitlichen Geschäften zu ruhen, damit sie desto ungehinderter und aufgelegter wären zum göttlichen Dienst.“ Hl. Augustin. Die Sonntagsruhe ist eine höchst weise Einrichtung,
eine wahre Wohltat für den Menschen.

Die Sonntagsruhe ist ein Bedürfnis der menschlichen Natur. Dies ersieht man aus dem wirtschaftlichen Fortschritt jener Länder, bei denen die Sonntagsruhe gewissenhaft gehalten wird. Holland, England und Amerika stechen an der Spitze des wirtschaftlichen Fortschrittes; {dieser Text wurde 1920 herausgegeben} dort finden wir aber auch die strengste Sonntagsruhe.
In Frankreich geht alles rückwärts: Die Zahl der Geburten nimmt ab, die Sterbefälle mehren sich, das normale Wachstum der Bevölkerung hat aufgehört, des Volkes Wohlfahrt ist im Rückgang begriffen; dort aber wird am Sonntag gehämmert wie am Werktag. Das reichste Volk muss verarmen, wenn es sittlich zerfällt, wenn es sogar an der eigenen Natur frevelt.

Auch die Ärzte sind ausnahmslos für die Sonntagsruhe. Sie haben statistisch nachgewiesen, dass derjenige, der sich am Sonntag Ruhe gönnt, sein Leben durchschnittlich
um ein siebentel höher bringt als der Verächter des Sonntagsgebotes. Sie haben nachgewiesen,
dass gar viele infolge unausgesetzter Arbeit nervenkrank und leistungsunfähig werden und das manche aus dem gleichen Grund im Irrenhause enden. Sie haben nachgewiesen,
dass die Sonntagsarbeit zahllose Männer ins Grab bringe, ihre Frauen zu Witwen,
die Kinder zu Waisen mache. Linzer Quartalsschrift, 1907, I. H.

Es ist nun Sache der christlichen Familie, dem Gebot der Sonntagsruhe gewissenhaft nachzukommen. Am Tag des Herrn soll in jedem christlichen Haus vom frühen Morgen ab eine wohltuende, Frieden atmende Ruhe herrschen, ich meine nicht eine lähmende, drückende Stille, sondern eine Heitere, zufriedene Stimmung, die sich auf den Zügen wiederspiegelt, und die den Frieden mit Gott, mit sich selber und mit dem Nächsten verkündet. Jeder entwindet sich den Fesseln des Alltagslebens, rastet von den Mühen und Strapazen der Woche aus und erquickt sich im trauten Kreis der Seinigen.

Mit der Arbeitsruhe gönnt die hl. Kirche zugleich ein ehrbares Vergnügen, und auch dieses trägt nicht wenig dazu bei, die geistigen und körperlichen Kräfte zu erfrischen. Freilich muss das Vergnügen innerhalb der Schranken der Ehrbarkeit, Zucht und guten Sitte gehalten werden. Dies vermag nur der tiefgläubige Sinn, der christliche Geist; wo dieser fehlt, da artet das Vergnügen wie von selbst in Liederlichkeit und Ausschweifung aus; dadurch wird aber die Arbeitskraft des Menschen nicht gestärkt, sondern vielmehr geschwächt und aufgezehrt. Die gesundesten und erquickendsten Vergnügen sind die gemeinsamen Erholungen einer wahrhaft christlich gesinnten Familie. Es ist endlich wohlberechtigt, dass auch die Mahlzeiten am Sonntag etwas reichlicher oder besser bestellt seien, denn wir dürfen die Gaben Gottes dankbar genießen und auch den Leib an der Sonntagsruhe teilnehmen lassen.

Der Sendbote des göttlichen Herzens Jesu schreibt (1914, S. 264) ganz aus dem Leben: Es ist wahr, man kann es heutzutage einem, der die ganze Woche im Bureau oder im Geschäftslokal schlechte Luft einatmet oder beständig dem ohrenbetäubenden Lärm der Maschinen ausgesetzt ist,
nicht verübeln, wenn er am Sonntag die stille der freien Natur genießen oder auf den Bergen seine Brust erweitern will; aber ebenso gewiss ist es, dass man im allgemeinen für die Pflege des Leibes zu viel tut und oft die Seele darben lässt, während der Körper gleichsam im Überfluss
der ihm gebotenen Güter schwelgt. Wenn man am Sonntag gar nie Zeit findet, das Wort Gottes zu hören, so beweist man dadurch doch, dass man das richtige Verständnis für die Bedeutung
des Sonntags verloren hat.

2. Die Sonntagsheiligung.

„Heiligt meine Sabbate, damit sie ein Zeichen seien zwischen mir und euch, und ihr erkennet, dass ich
der Herr, euer Gott bin!“ Ez 20, 20. Der Sonntag ist der der Ehre Gottes geweihte Tag. Er erinnert uns
an unsere eigentliche, an unsere höchste Lebensaufgabe, an unsern himmlischen Beruf: die Verherrlichung Gottes und unsere sittliche Vervollkommnung im Hinblick auf das ewige himmlische Leben, das uns
nach dem Tod erwartet. Sechs Tage soll und muss der Mensch im Schweiß seines Angesichts arbeiten,
um sich sein irdisches Brot zu verdienen; aber am siebenten Tag soll er die Arbeit aus der Hand legen
und sich seiner ewigen Bestimmung lebendig erinnern; da soll er zum Gotteshaus eilen, um die frohe Botschaft des Evangeliums zu vernehmen, um sein Gewissen zu reinigen von den Flecken, die es
beim sechstägigen weltlichen Treiben etwa aufgenommen hat; er soll sich mit neuer Kraft ausrüsten,
um auf der Reise in die Ewigkeit nicht zu erlahmen, um so durch die zeitlichen Dinge hindurchzugehen,
dass er die ewigen Güter nicht verliere. Das ist der erste und vornehmste Zweck der Sonntagsfeier,
der vor allem gläubig festgehalten werden muss. Mit der Erreichung dieses Zweckes kommt dann
Licht und Ordnung in das übrige Leben des Menschen. Erst die würdige Sonntagsfeier weiht,
heiligt und verklärt unser irdisches Tagwerk.

Treffend schreibt Gellert: „Wir gehen mit dem Sonntag zu leichtfertig um, und ich bin überzeugt, eine frömmere Feier ist zum Wachstum in der Religion und Gottseligkeit ein unentbehrliches und zugleich das beste Mittel. An diesem Tag sich von seinen Geschäften losmachen, sein Herz prüfen, zum Himmel erheben, es mit den Wahrheiten des Glaubens nähren und stärken, heißt: es auf die ganze Woche stärken und sich zur rechtschaffenen Übung seines Berufes rüsten. Wer den Sonntag wohl anwendet, der kann nicht leicht die übrigen Tage übel zubringen. Wer ihn hingegen schlecht zubringt, wie kann der glauben, es sei seine Pflicht, die andern Tage gut anzuwenden?
Vergiss an diesem Tag die Kleinigkeiten der Erde. Weihe dich ganz der Religion und
dem Himmel. Empfinde die Wohltaten Gottes, bete, danke, erforsche dein Herz, dein Gutes,
deine Schwachheiten, und bemerke die Hindernisse deiner Tugend.“

Haben wir nicht das Bedürfnis nach einem Tag, „an dem wir, zurückgezogen in die Einsamkeit unsers Herzens, nur jener Angelegenheit obliegen, die der Heiland nicht nur nützlich und wichtig, sondern sogar höchst notwendig nennt, da von ihr unser ewiges Heil abhängt? Welches sind denn die angenehmen Tage, wenn nicht die Feiertage? Wann soll sich sonst der Kaufmann seines Gottes erinnern?
Wann soll er sich denn überzeugen, dass die Reichtümer der Welt doch nur Staub sind, wann soll er
für den Himmel Schätze sammeln? Etwa im Tumult der täglichen Geschäfte, der Rechnungen,
die ihn Tag und Nacht hinter Atem halten? Wann soll der Reiche einsehen lernen, dass sein Verhalten
ein törichtes ist? Etwa in den Theatern, auf den Spaziergängen, in den Kaffeesälen? Und du, armes Volk,
wann solltest du an deine Seele denken, an deine Pflicht? Vielleicht, wenn du mit Schweiß und Staub bedeckt, dich bei deiner schweren Arbeit befindest?“. Montefeltre.

 

Quelle: „Die christliche Familie“ – P. Konstanz Rudigier – 1920 – P. Cyprian Fröhlich O. Cap.

Verpassen Sie keine neuen Beiträge: