Das gute Beispiel

  • Beitrags-Kategorie:Erziehung / Kinder
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Ein wohl zu beachtendes Sprichwort sagt: „Worte bewegen, Beispiele  iehen,“ und: „Was das Auge sieht, glaubt das Herz.“ Das Leben des hl. Maurus verdient es in besonderer Weise, dass du über den tiefen Sinn dieses Spruches ernstlich nachdenkest und erwägest:


1. Die Macht des guten Beispieles. Als feurig lebhafter Knabe hatte Maurus vor Augen die pünktliche Genauigkeit, mit welcher der hl. Benedikt alle seine Arbeiten und Gebete zur bestimmten Zeit verrichtete. Von diesem Beispiele lernte er jenen muntern Gehorsam, an welchem Gott fein Wohlgefallen hat, wie Er es öfters durch Wunder bezeugte. Als der reiche Hofherr Florus den Maurus kennen lernte und in ihm das lebendige Beispiel eines gottgeweihten Mönches vor sich sah, wurde er dadurch zur Weltverachtung, zur Selbstverleugnung, zur opferwilligen Gottesliebe hingerissen und von dem prunkenden Königshofe in die arme, stille Klosterzelle gezogen. Dieses herrliche Beispiel übte auf den Sohn Bertulf einen so heilsamen Einfluss aus, dass er freudig auf alle Reichtümer und Ehren verzichtete und sich auf eine so hohe Stufe der evangelischen Vollkommenheit erschwang, dass er des hl. Maurus würdiger Nachfolger wurde in der Abtwürde. Das gute Beispiel des hl. Maurus besaß die Riesenkraft, so viele Freie und Adelige aus den Armen der Sinnlichkeit unter das heilbringende Joch der Ordensgelübde zu ziehen. Benützest du auch diese Macht, um im Kreise deiner Familie und Nachbarn das Feuer der heiligen Gottes- und Nächstenliebe zu nähren?


2. Die Ursache dieser Macht des guten Beispiels. Sie liegt in der lebendigen Wirklichkeit desselben. Geistliche Bücher, christliche Unterweisungen, lehrreiche Predigten bereichern dein Wissen mit kostbaren Lehren und Lebensregeln: sie überzeugen dich von dem Nutzen und der Notwendigkeit derselben.
Allein wenn du sie in der Praxis anwenden und verwerten sollst, weiß deine Eigenliebe tausend Einwände vorzubringen, dass diese Lehren und Regeln nicht für dich, nicht für deinen Stand, nicht für deine jetzigen Verhältnisse passen – vielleicht für spätere; aber diese spätern kommen selten oder nie: dagegen wenn du diese Lehren und Regeln in lebendiger Wirklichkeit vor Augen siehst, befolgt von Personen, welche vielleicht weniger Talent und Bildung besitzen als du, einem niedrigern Stande angehören als du, eine schwächlichere Gesundheit haben als du, in schwierigern Verhältnissen leben als du: dann sind deiner Eigenliebe alle Vorwände und Entschuldigungen und deiner Sinnlichkeit alle Kunstgriffe abgeschnitten, es bleibt dir nur die eine Freiheit zu erklären : „Ich will,“ oder, „ich will nicht.“ Stelle nun die prüfende Frage an dich selbst? „Wer ist mein Vorbild und lebendiges Beispiel: wer ist mein Freund, wer meine Freundin? Kann und darf ich meine Lebensweise nach diesem Muster richten?“ Betrachte und studiere doch recht eifrig das gute Beispiel des lieben Jesus, der süßen Mutter Maria und desjenigen Heiligen, dessen Namen die göttliche Vorsehung dir in der heiligen Taufe gegeben hat, damit die Macht desselben dich ziehe auf dem schmalen Wege zur ewigen Herrlichkeit.

Quelle: „Das Leben der Heiligen“ – 15. Januar hl. Maurus – 1881 – P. Otto Bitschnau O.S.B.

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